Jetzt sitzen wir am Flughafen Rom und warten auf unseren Abflug nach Basel. Gepäck ist aufgegeben und ich dachte, dass ich jetzt noch etwas schreibe und der Nachwelt hinterlasse falls etwas schief geht. Wobei ich das ehrlich gesagt nicht glaube.
Heute früh gab es das letzte Frühstück in unserem kleinen Hotel und die große Rechnung. Wir haben gepackt und konnten unsere Koffer im Zimmer stehen lassen, um noch die Zeit bis zum Flug in Rom zu verbringen. Wir hatten schließlich Karten für die Papstmesse auf dem Petersplatz mit Urbi et Orbi. Aufgrund der Sicherheitskontrollen lief der Einlass allerdings schleppend aber schließlich waren wir bei schönstem Wetter auf dem Platz. Und wieder mal haben viele gedacht sie kommen einfach so auf den Petersplatz. Warum informieren sich manche Leute eigentlich nicht vor einer Reise? Nichts gegen Spontanität aber wenn man dadurch andere aufhält und blockiert ist es eher ungeschickt.
Wr blieben allerdings nur 20-30 Minuten auf dem Platz, um die Atmosphäre aufzusaugen. Da wir im Gegensatz zu gestern im Petersdom keine Messbüchlein bekommen haben konnten wir auch nicht mitsingen. Draußen wollten wir unsere Karten die noch wie neu waren weitergeben aber irgendwie haben es die Leute nicht kapiert. Egal.
Wir sind dann noch durch Rom geschlendert und haben erneut den preislichen Unterschied zwischen Café an einer Sehenswürdigkeit und in einer Nebengasse zu spüren bekommen. Ungefähr Faktor 2,5!!!!
Danach haben wir noch sehr lecker gegessen, sind unser Gepäck holen gegangen und dann mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Flughafen gefahren. Der Mehrpreis einer Fahrt mit Limousine vom Hotel direkt zum Flughafen beträgt ca. €20 bei 2 Personen und hätte sich aufgrund entspannter und klimatisierter Anfahrt eigentlich gelohnt. Bei 3 und mehr Personen wäre eine Fahrt mit öffentlichem Transport sogar wirtschaftlich schlechter. Nur so als Tipp für zukünftige Rom-Reisende.
Am Flughafen bemerkte man schnell den Unterschied zu mitteleuropäischen Flughäfen. Irgendwie chaotischer und unkoordinierter. Aber es funktioniert doch. Trotzdem lässt sich nicht leugnen, dass wir Deutsche sind und diese Lebensweise mal nett für den Urlaub ist aber nichts für ein Leben.
Trotzdem, es war sehr,schön in Rom. Wir haben alles gesehen was wir wollten, sind Segway gefahren, waren bei Ratzi und haben viel Koffein zu uns genommen. Das Wetter war fast immer perfekt und wir haben die lockere Lebensweise der Italiener durch unsere Schwarzfahrt verinnerlicht. Also perfekt. Jetzt freuen wir uns auf zuhause. Ganz besonders auf Pelin.
Eigentlich haben wir schon alles wesentliche gesehen. Deswegen plante ich gar nichts Besonderes mehr. Trotzdem gab es noch zwei Punkte die man sich ansehen konnte. Einerseits San Clemente, eine Kirche unweit des Colosseums aus dem 12. Jhdt. Sie wurde auf den Resten einer Kirche aus dem 4 Jhdt. gebaut die wiederum auf einem Haus aus dem 1. Jhdt steht. Man kann in der Kirch in den Keller und beide alten Bauwerke besichtigen. Besonders beeindruckend die frühchristlichen Fresken. Aber auch der starke Einfluss des Mittelalters in der aktuellen Kirche. Viele andere Kirchen wurden im 16./17. Jhdt. “aufgemotzt”. Aber diese hat weitestgehend ihren schlichten Stil behalten, was uns viel besser gefällt als all der Pomp und Zuckerbäckerstil.
Danach wollt ich noch zur Santa Maria della Conzezione. Eine Kirche die im Inneren mit den Gebeinen der dort verstorbenen Mönche “geschmückt” ist. Aber Heike war schon froh, dass wir in den Katakomben keine Skelette mehr gesehen haben und so ließ ich auch diesen Part weg. Stattdessen sind wir unheilbaren Apple-Fans noch zum Apple-Store Rom gefahren. Naja, Rom ist zu viel gesagt. Der Store befindet sich in einem Einkaufszentrum weit außerhalb der Stadt. So weit, dass unsere Fahrkarten eigentlich nicht gelten. Und da es, wie so oft in Italien, keinen funktionierenden Automaten gab sind wir eben ein paar Stationen schwarz gefahren. Denn kontrolliert wird ja eigentlich auch kaum. Das haben wir nur einmal erlebt und da sind die Kontrolleure in Anzügen mit Logo der Verkehrsbetriebe 5 Minuten vor Abfahrt eingestiegen. jeder mit Hirn und ohne Fahrkarte hätte also beruhigt wieder aussteigen können. Und trotzdem haben sie jemand erwischt.
Aber egal, mit Zug und Bus sind wir recht abenteuerlich in besagtem Einkaufszentrum gelandet, haben nichts gekauft aber etwas gegessen und sind dann auf gleichem Weg zurück. Dieses mal aber nicht schwarz.
Zurück im Hotel haben wir etwas entspannt und sind dann zur Osternacht in den Petersdom für die wir Karten besorgt haben. Wir reihten uns in die Länge Schlange der Wartenden. Von denen haben aber viele vergeblich gewartet denn sie wussten nicht, dass man Einlasskarten schon Wochen vorher reservieren musste. Das wurde vielen erst gewahr als kurz vor dem Eingang endlich mal ein Offizieller die wichtigen Worte “only with tickets” in die Menge rief. Plötzlich lichtete sich das Feld und wir wurden schnurstracks durchgewunken und kamen uns plötzlich unter den Augen der vielen vergeblich Wartenden vor wie Filmstars auf dem roten Teppich. Im Petersdom war eine sehr feierliche Stimmung wenn auch die vielen Besucher mit Fotoapparaten und dem im Petersdom nutzlosen Blitz nervten. Ratzi kam dann eine Kerze voraus in die ansonsten dunkle Basilika. Eigentlich bestimmt schön aber jeder musste ja ein Foto von ihm haben und hat ihm dabei ins Gesicht geblitzt. Wo waren da meine lieben Schweizer mit ihren Hellebarden?
Die Feier an sich war logischerweise feierlich und wir haben sogar an den richtigen Stellen mitgesungen. Nächstes Jahr bewerben wir uns als Sänger im Petersdom. Denn außer uns hat in nächster Umgebung nur noch ein Priester mitgesungen der lustigerweise Photos und Filme mit dem iPad machte.
Jetzt nur noch eine Nacht. Morgen geht es zurück und vielleicht tun wir uns noch “Urbi et Orbi” an. Wir haben auch dafür Karten. Aber vielleicht geben wir sie auch an wirklich Gläubige weiter.
Aber viel wichtiger. Der Besuch der Osternacht soll angeblich einem Ablass gleichkommen. Dann haben wir unsere Schwarzfahrt ja wieder ausgeglichen.
Nachdem wir in einer Dokumentation schon einiges über die Bauwerke der römischen Kaiser erfahren hatten wollten wir heute ein Bauwerk bzw. die Reste davon besichtigen, das etwas abseits der Touristenstromtröme liegt. Vorher ging es aber noch kurz auf die Via Appia, der Hauptstraße vom alten Rom aus Richtung Süden. Teilweise sieht man noch das alte Pflaster.
Dann aber der Höhepunkt unweit des Circus Maximus und des Coosseums, die Caracalla-Thermen. Nein, nicht die in Baden-Baden. Die haben den Namen ja nur geklaut. Die echten Thermen, erbaut unter Kaiser Caracalla Anfang des 3. Jhdt. Die Anlage umfasste ca. 100000qm, das Hauptgebäude alleine knapp 20000qm mit allem was die Bau- und Badekunst damals hergab und wie so oft danach hunderte oder besser tausende von Jahren so nicht mehr existiert hat. Ehrlich gesagt gibt es bis heute wahrscheinlich keine Badeanlage die sich mit diesen Thermen messen kann. Alles wurde perfekt ausgearbeitet und geschmückt. Die Anlage umfasste nicht nur eine Badeanstalt mit vielen unterschiedlich temperierten Becken sondern auch Sauna, Gymnastikräume, Bibliothek und eine Parkanlage. Luxus pur der allen Römern für einen minimalen Obulus offen stand. Dummerweise haben unsere germanischen Vorfahren im 6. Jhdt die römischen Aquädukte zerstört und somit war nicht nur Rom vom lebenswichtigen Wasser abgeschnitten sondern logischerweise auch die Thermen.
Danach wurden sie wie so viele andere Gebäude zur Lieferstätte für edles Baumaterial. Auch wenn nur noch relativ hohe Mauern stehen kann man sich die imposante Größe gut vorstellen. Aber man darf auch nicht vergessen, dass Sklaven in den Kellergewölben für die Beheizung des Fußbodens und des Wassers gesorgt haben.
Dann ging es noch zum Vatikan, um unsere Einlasskarten für die Ostermesse abzuholen. Das war ein besonderes Erlebnis. Auf dem Petersplatz war es gerammelt voll und wir wussten nicht so recht wohin. Also fragten wir zwei nette Polizisten die uns an der Warteschlange zum Petersdom vorbeilotsten zu einem weiteren Tor. Dort musste ich Heike zurücklassen und durfte dann im Schnellverfahren durch die Sicherheitskontrolle. Ich folgte den Menschen Richtung Petersdom aber dort wollte ich nicht hin und fragte einen weiteren Sicherheitsmann nach der Ausgabe der Karten. Er zeigte auf eine großes Bronzetor bewacht von zwei Schweizergardisten in obligatorischer Uniform mit zwei Hellebarden. Gut dachte ich, sind ja für mich inzwischen Landsleute, und die Treppe zu den beiden hoch. Ich versuchte es mit einem auflockernden “Grüezi” und erläuterte mein Begehr. Ersteres lies deren Mienen aufhellen und das Wort Begehr passte zur Umgebung. Ich befand mich plötzlich in einer Palastumgebung und stapfte alleine auf den nächsten Gardisten zu der aber schon ahnte was ich wollte und mich in ein Büro an der Seite brachte. Die Karten in der Hand ging ich an den Gardisten vorbei nach draußen. Sie haben mir noch “en Schöne” mit auf den Weg und schon war ich wieder bei Heike. Alles sehr beeindruckend, ich kam mir wie der Gesandte der Stadt Villingen vor. Zumal bei meinem Betreten auch brav die Hellebarden auf den Boden gestapft wurden.
Da wir schon so in katholischer Stimmung waren ging es abends noch zum Colosseum wo Papst Benedikt zum Karfreitag den Leidensweg runterbetete. Eine schöne Atmosphäre und wir haben mal den Papst gesehen, evtl. nicht das letzte mal.
Normalerweise ist es ein Hobby von schrägen Typen aber heute wollten wir diesem auch fröhnen. Dem Besuch eines Friedhofs. Genauer gesagt dem größtem antiken christlichen Friedhofs in Rom. Oder besser außerhalb von Rom. Denn im antiken Rom war es verboten die Toten innerhalb der Stadt zu beerdigen und die nichtchristlichen Römer verbrannten ihre Toten sowieso. Und so mussten die Christen ihre Toten nach außen bringen. Da der Platz irgendwann knapp wurde ging man unter die Erde und grub sich so ca. 7 Stockwerke in die Tiefe und so entstanden die Katakomben. Davon gibt es um Rom eine ganze Reihe. Wir wollten die größte, die Callisto-Katakombe besuchen. Dort sind knapp 500000 Christen, darunter Päpste und Märtyrer bestattet. Alle aus der Zeit bis ca. 400 nach Christus.
Aber die Anfahrt gestaltete sich teilweise abenteuerlich. Bis zur Piazza San Giovanni noch problemlos mit der Metro ging dann die Such nach der richtigen Bushaltestelle los. In Rom sind die Bushaltestellen and zentralen Punkten immer recht bunt verteilt. Also darf man einen Haltepunkt nach dem anderen abklappern ob vielleicht gerade dort der gewünschte Bus abfährt. Ich war schon etwas genervt und wollte diesen Punkt auslassen als Heike dann noch eine weitere Haltestelle entdeckte an der verdächtig viele Touris herumstanden.
Also ging es per Bus teilweise auf der antiken Via Appia Richtung Süden und schließlich bis zur Katakombe. Da nur sehr wenige (5) Deutsche die Katakombe besichtigen wollten wurde daraus nahezu eine Privatführung. In den Katakomben wurden die Toten in Wandnischen beigesetzt die sich rechts und links der Gänge befinden. In manchen Familiengrüften gab es auch noch frühchristlich Wandmalereien. Interessanterweise ohne gekreuzigten Jesus sondern eher mit hoffnungsspendenden und positiven Ereignissen aus der Bibel. Man geht ja auch davon aus, dass es im Frühchristentum weniger um die Themen Erlösung und Leid Christi ging sondern stärker um Hoffnung und Leben nach dem Tod. Die Christen waren zu dieser Zeit ja auch noch massiver Verfolgung ausgesetzt.
Wer jetzt aber Skelette sehen wollte oder schon mal vor mehr als 20 Jahren dort war wurde enttäuscht. Weil viele Touristen keinen Respekt vor der Toten hatten und immer wieder Knochen mitnahmen wurden die Toten aus dem öffentlichen Bereich vor knapp 19 Jahren umgebettet. Aber man ist ja auch nicht wegen des gruseligen Schauers dort.
Alles in allem sehr beeindruckend und ein weiteres wichtiges Element unserer Geschichte.
Der Rückweg gestaltete sich einfacher und so hielten wir noch in der Stadt, um das Trajansforum gegenüber des Forum Romanum anzusehen. Es handelt sich eigentlich um eine antikes Einkaufszentrum für das man mangels Platz einfach einen der Hügel Roms seitlich abtrug, um das Forum gegen den Hang zu bauen. Die noch heute erhaltene 40m hohe Trajanssäule zeigt an wie hoch der Hügel an dieser Stelle war. Heute würde man das wegsprengen, damals erledigten das halt Sklaven. Interessant noch, dass die Säule nur deswegen überlebte weil ein früher Papst von der der Geschichte auf dem Relief so gerührt war, dass er sie stehen lies. Im 17. Jhdt wurde dann allerdings die Trajansstatue auf der Spitze durch eine Petrusstatue ersetzt. Musste das sein?
Nach Mittagessen ging es schließlich nochmal in der Park der Villa Borghese. Genauer in die Galeria Borghese. Eine von einem reichen Kardinal im 17. Jhdt gebaute Villa in der er wichtige Kunstschätze, insbesondere Statuen sammelte. Einerseits antike Statuen aber auch Aufträge an Bernini, einem Wirklichen Meister der Bildhauerei. Von ihm ist auch öfter in Dan Browns Illuminati die Rede.
Beim Gang durch die prunkvollen Räume stellten wir uns aber wieder die Frage woher denn der gute Kardinal das Geld für das alles hatte. Aber gut, wir können dafür heute die Sammlung und den Park genießen. Die Rückfahrt zum Hotel war dann wieder abenteuerlich da wir ewig auf den Bus warten mussten aber auch das gelang schließlich.
Noch etwas zum Wetter. Seit zwei Tagen sagen die verschiedenen Wetterportale Regen voraus. Bis jetzt blieb alles trocken. Nur heute war es teils bewölkt aber warm.
Nachdem wir am Montag die Alterstumtour unterbrochen hatten ging es heute im historischen Zentrum weiter. Wir besuchten das Forum Romanum und den Palatin. Ersteres das wirkliche Zentrum auf dem sich das römische Leben abspielte. Hier standen die wichtigen Tempel, wurde Politik gemacht und hingen die Römer herum. Der Palatin als einer der 7 Hügel direkt nebenan beherbergte die historisch belegt ersten Häuser und Hütten Roms und später die Behausungen wichtiger Römer wie Augustus und letztendlich auch den Palast dessen Name von Palatin abstammt.
Dummerweise verschwand vieles unter der Erde, wurde durch Goten, Germanen, die Kirche und Fürsten zerstört oder als Baustoffquelle genutzt oder eben neu bebaut. Deswegen findet man heute größtenteils nur noch Fundamente, Säulenstummel oder Gebäudereste. Aber auch vollständig erhaltene Gebäude und ganze Triumphbögen. Auf dieser kleinen Fläche weht einem der geballte Hauch von 2500 Jahren Geschichte um die Ohren. Und wenn man sich vorstellt, dass dort wo man gerade entlangschlurft Cäsar, Augustus oder Nero entlangstolziert sind dann bekommt man ganz schön Ehrfurcht. Auch wenn man weiß mit welchen Kenntnissen hier die imposantesten Gebäude mit den edelsten Baustoffen erbaut wurden und dieses Wissen mehrere hundert Jahre verschollen war ist man noch beeindruckter. Die Römer hatten eine Art Zement der im Gegensatz zu anderen kalkhaltigen Zementen nicht wasserlöslich war und somit bombenfest gebunden hat und großartige Bauwerke erlaubte (siehe auch Pantheon gestern). Leider kann man sich die Pracht kaum noch vorstellen. Aber für einen Geschichtsfreak wie mich ist der Besuch dort ein tolles Erlebnis.
Aber es war heute auch sehr warm und das Herumklettern auf dem Palatin führten irgendwann zur Erschöpfung und wir entschieden uns zur Stärkung mittels Pizza gegenüber des Forums. Als Besichtigung war es dann auch für heute genug und so schnappten wir uns noch ein leckeres Eis und entschieden uns zum Besuch des Parks der Villa Borghese. Das ist ein riesiges Gelände und lädt zum Joggen, Radfahren, Spazierengehen und …… Segway-Fahren ein. Wir mieteten uns zwei dieser Wunderteile für 1h und besichtigten damit einen Großteil des Parks. Die Dinger machen unheimlich Spaß. Dumm nur, dass man komplett das Gefühl für Entfernungen verliert. Denn unterwegs entdeckten wir ein nettes Café und wollten nach Rückgabe unseres Spielzeugs dorthin zurückkehren …. Recht weit aber so konnten wir auch noch romantisch “schlendern”.
Geplättet von tollen Wetter sind wir dann ins Hotel zurück und haben noch ein Gläschen Wein getrunken.
Ja, die Überschrift ist eigenartig und wirft Rätsel auf. Diese werden gelöst aber eins nach dem anderen.
Der heutige Tag sollte unter dem Motto “Kirche, Prunk und wer hat das alles bezahlt?” stehen. Also tigerten wir los in Richtung Vatikan. Genauer gesagt zu den vatikanischen Museen. Man muss dazu sagen, dass der Vatikan von einer locker 15m hohen Mauer begrenzt ist und nur am Petersplatz wirklich offen ist. Die Museen betritt man also durch eine Tür in dieser Mauer. Und wie die Reiseführer versprachen schlängelte sich auch schon eine locker 200-300m Warteschlange an der Mauer entlang. Wir hatten deswegen Online-Tickets gekauft mit denen man sich diese Warterei ersparen konnte. Wir waren etwas zu früh für unser Ticket also tranken wir in Ruhe gegenüber einen Kaffee und beobachteten die armen Schweine die sich Meter für Meter dem Eingang entgegenschoben. Als dann die auf unserem Ticket aufgedruckte Zeit näherrückte schlenderten wir über die Straße und konnten den speziellen Eingang nutzen und waren so schnell im Museum. Klingt großkotzig aber warum sollte man sich diese gleich teure Gelegenheit entgehen lassen?
Zum Museum nur so viel. Es ist das oder eines der größten der Welt und man ist nahezu erschlagen von den Kunstwerken, dem Prunk und der Pracht. Deswegen kann man sich auch gar nicht alles anschauen sondern nur die Highlights. Oder man kommt einfach öfter. Im Museum gibt es deswegen in der Ausschilderung auch immer Abkürzungen. Die meisten wollen sowieso nur die Sixtinische Kapelle (Stichwort Michelangelo) sehen. Aber auch bis dorthin braucht man 30 Minuten. Wir haben uns eine Reihe weiterer Highlights bis dorthin nicht entgehen lassen, sind dann aber auch in der sixtinischen Kapelle gelandet. Vorher sollte noch gesagt werden, dass das Fotografieren in der Kapelle verboten ist da ein japanisches Unternehmen die Restaurierung vor ein paar Jahren finanziert hat und sich dadurch die exklusiven Bildrechte sicherte.
Die Kapelle war gut gefüllt und jetzt kommt die erste Lösung des Rätsels. Zwei Aufpasser mahnten die Besucher “lauthals” mit besagten “Gweiät plies”, der italienischen Variante von “quiet please”, zur Ruhe. Wenn die beiden einfach ihren Mund gehalten hätten wäre es plötzlich schon viel ruhiger gewesen. Und da ich ja keine Bilder vermarkten will knipste ich aus der Hüfte wie ein paar andere subversive Elemente ein paar Bilder. Zwei junge Damen amüsierte dieser Anblick sehr. Zum Glück lachten sie nicht laut auf, sonst “Gweiät plies”. Beim Verlassen der Kapelle knipste ich wohl zu offensichtlich und zwei andere Aufpasser riefen dann eher lustlos “No Photo” zu mir herüber. Und ich dachte schon man setzt mit illegalen Fotografen die alte Tradition der Hexenverbrennung fort. Also alles harmlos.
Zum Abschluss dann noch eine vatikanische Pizza im Museum und hoffentlich fair gehandelter Kaffee. Draussen aus dem Museum sahen wir, dass sich die Schlange von heute früh aufgelöst hatte. Und so ergeben sich zwei wichtige Tipps für den Besuch des Museums. Erst am Nachmittag hingehen falls man keine Karten hat und keinen Audioguide ausleihen. Es seih denn man steht auf die wilde Aufzählung von Jahreszahlen und Päpsten.
Wir also an der Mauer entlang zum Petersplatz. Und hier kann man wirklich nur sagen “Boah ey”. Wir stehen ja nicht auf die Besichtigung von Kirchen aber der Petersdom ist eine andere Dimension. Groß und prunkvoll. Michelangelos Kuppel atemberaubend. Mir fehlten die Worte. Auch wenn die Gesamtharmonie durch die Bestuhlung für die Osterfeierlichkeiten etwas gestört wurde. Das Besteigen der Kuppel haben wir uns wegen diesigem Wetter erspart.
Der Vatikan ist alles in allem beeindruckend aber wirft auch die Frage auf woher denn das Geld für diesen Prunk kam und kommt bzw. mit welchen Methoden es erlangt wurde. Auf der anderen Seite hätte es viele Meisterwerke die wir heute bestaunen dürfen nicht gegeben.
Vom Vatikan aus gingen wir zur Engelsburg in der sich die Päpste jahrelang nahezu verbarrikadierten. Denn nicht immer war der Kirchenstaat so unantastbar. Interessant auch die mehrere hundert Meter lange “Fluchtbrücke” zwischen Petersdom und Engelsburg. Man weiß ja nie ob sich Benedikt auch mal verschanzen muss.
Von der Burg über die gleichnamige Tiberbrücke in die römische Altstadt. Eigentlich wollten wir nur noch ein Eis essen bevor es ins Hotel gehen. Daraus wurde dann aber noch ein abschließender Spaziergang mit Eis, Kaffee und dem Besichtigen der Piazza Navona, dem Pantheon und des Trevibrunnens. Die Piazza Navona ist nicht nur hübsch sondern an der Form erkennt man, dass sie auf einer römischen Pferderennbahn a la Ben Hur erbaut wurde. Das Pantheon steht seit bald 2000 Jahren unversehrt mit einer 40 Meter hohen Kuppel aus einer Art römischem Gusszement und im Trevibrunnen darf man nicht baden wie einst Anita Ekberg im Film “La Dolce Vita”.
Was noch? Ach ja, die Sache mit dem Regenschirm. Heike hatte heute früh Bedenken wegen der vielen Leute die mit Regenschirm unterwegs waren. Aber das waren wohl alles Fremdenführer. Denn ungeöffnete Regenschirme sind das Lieblingsutensil von Fremdenführern, um ihren Schäfchen anzuzeigen wohin sie ihnen folgen müssen. Ein lustiger Anblick. Das was der junge Herr unten in der Hand hat ist natürlich kein Schirm sondern eine Hellebarde. Damit bewacht er als Mitglied der Schweizer Garde den Vatikan. Wie viele seiner Landsleute vor ihm seit knapp 500 Jahren.
Ich bin heute schon wieder recht früh aufgewacht. Nervös ob wir pünktlich bei unserem ersten Highlight ankommen würden und ob ich das überhaupt hinbekomme. Aber gleich vorweg, die Sorge war unberechtigt.
Also schnell gefrühstückt und Richtung Tram. Ohne Karte blöd und der Tabacchi hatte auch zu. Zum Glück hat Heike einen Kiosk entdeckt in dem ich zwei Tickets á €1,- erstanden habe. Sonst hätten wir uns gleich als Schwarzfahrer strafbar gemacht. Aber auch im Tram selber hätte man Tickets lösen können. Schließlich kamen wir am Colosseo an und ich bekam schon leuchtende Augen und meine Nervosität legte sich. Um zwei Straßenecken und wir waren am Ziel: Segway Rome wo wir eine Vormittagtour durch das antike Rom gebucht hatten.
Die ersten Versuche verliefen noch wackelig aber auf der Übungsrunde wurden wir immer sicherer bis wir uns am Ende der Tour millimetergenau durch Menschenmassen zwängen konnten. Auch einhändig war dann kein Problem mehr. Freihändig ließen wir lieber. Die älteren erinnern sich noch an den Didi Hallervorden Sketch … “Schau mal, ohne Hände, …”
Auf der Tour sahen wir den Palatin, den Circus Maximus, waren auf dem Capitol, beim Forum und natürlich am Colosseum. Alles ziemlich kaputt. Man könnte damit leben, dass die Bauwerke früher Bau- und Ingenieurskunst verfallen sind aber sie wurden als Steinbruch für Baumaterial verwertet. So sind große Teile des Colosseums im Petersdom verbaut. Und dass die Baukunst und wichtige Errungenschaften wie eine funktionierende Wasserversorgung für über 1 Million Menschen während des dunklen elenden Mittelalters in Vergessenheit gerieten, haben wir leider auch der Kirche, insbesondere der katholischen, zu verdanken. Es wurde sogar bewusst alles römische zerstört, weil heidnisch. Es waren halt leider andere Zeiten.
Genug aufgeregt. Segway fahren macht wahnsinnig Spaß und ist kinderleicht. Wir könnten so Dinger für die ganze Woche in Rom gebrauchen. Wir müssen das jetzt endlich auch mal in Blumberg machen. Wir waren recht begeistert.
Nach der Tour sind wir nebenan noch eingekehrt und mussten uns Italienisch-Legasthenikern die wohlklingenden italienischen Speisen erst einmal von dem tourismuserprobten Kellner übersetzen lassen. Der Salat und die Pasta (eindeutig selbstgemacht) waren aber lecker.
Danach einen Roma-Pass gekauft und zum Colosseo an der langen Schlange vorbei und mit Audio-Guide bewaffnet das Bauwerk spätrömischer Dekadenz von innen angeschaut. Extrem beeindruckend. Und wenn man sich vorstellt wie viel Blut hier geflossen ist auch erschreckend.
Danach hatten wir einen leichten Tiefpunkt und entschieden uns das Forum zunächst zu verschieben. Erstens haben wir noch genug Zeit und wir sind ja im Urlaub. Also suchten wir das nächste Café auf und genossen Latte Machiato und Espresso, um danach noch sehr leckeres Eis zu essen.
Danach zurück ins Hotel mit einem Schwenk zum Supermercato, um richtige Milch zu kaufen (siehe gestern).
Morgen geht es in den Vatikan und dann reden wir mit den Jungs mal ein Wort was der Mist mit den antiken Bauwerken sollte.
Ich bin heute morgen sehr früh wach geworden. Irgendwie fing ich anzusehen grübeln ob wir auch an alles gedacht haben. Wir sind halt nicht die Hotelurlauber sondern sind es gewohnt unseren kompletten Hausstand in unserem Bus dabei zu haben. Aber nach traurigem Abschied von Pelin aber auch Ingrid und Manfred ging es los nach Basel.
Ein interessanter Flughafen auf französischem Boden aber mit direkter Zufahrt aus der Schweiz. Das Einchecken hatte ich gestern schon von Zuhause durchgeführt und die Boarding-Pässe lagen elektronisch auf der Swiss iPhone App. Moderne Zeiten. So mussten wir nur unser Gepäck aufgeben und sahen wehmütig unseren neuen Alukoffern nach die nach dem Flug sicher nicht mehr so makellos aussehen würden. Der Flug an sich verlief auch unspektakulär. Aber der Blick auf die Alpen war fantastisch. Wir sind wohl auch über Giglio geflogen, haben aber die Costa Concordia nicht gesehen.
In Rom angekommen wurden wir gleich von unser Fahrerin in Empfang genommen die uns dann zielsicher zum Hotel fuhr. Hotel ist eigentlich falsch. Das ganze besteht nur aus 5 Zimmern im dritten Stock eines Hauses in einer Privatstraße. Allerdings topmodernes Design und mit vollausgestatteter Küche im Frühstücksraum in dem man 24 Stunden lang Kaffee, Tee, Gebäck und sonstiges vorfindet und sich auch etwas warm machen darf. Das Zimmer selber ist auch top.
Da wir jetzt nicht mehr losziehen wollten sind wir in den nächsten Supermarkt, um uns mit ein paar Dingen einzudecken. Unter anderem Milch für Heike die sich aber beim ersten Schluck als Ziegenmilch entpuppte. bäh.
In der Nähe fährt die Tram, oder besser das Tram wie man in meiner Wahlheimat sagt, in Richtung Stadt. Und in der Nähe haben wir auch noch eine Pizzeria ausgemacht.
Morgen geht es gleich in die Stadt zu einer Segway Tour durch das antike Rom. Na mal sehen.
Die Koffer sind weitestgehend gepackt, meine obligatorischen gefühlten 200 Reiseführer sind auch mit drin, Dokumente und Reservierungen sind gedruckt, wir waren noch mal in der Sauna und der Kühlschrank wurde im Rahmen einer Resteverwertung auch geleert.
Morgen geht es nach Rom. Ich war noch nie in der ewigen Stadt und bei Heike ist es sage und schreibe 30 Jahre her. Manfred hat uns heute ein paar alte leicht ausgeblichene Bilder gezeigt. Die werde ich nach dem Urlaub für ihn aufpäppeln. Beim Betrachten der Bilder war mir schnell bewusst, dass es so leer wie damals nicht werden wird. Aber egal, wir haben eine Woche, um massenweise kaputte Steine anzuschauen und Prunkbauten die gläubige Katholiken brav finanziert haben. Für mich alten Geschichtsfreak wird es wohl ein einziges Aaahhh und Ooohhhh werden. Aber auch Heike wird nicht zu kurz kommen. Erstens lassen wir es locker angehen und zweitens kann man ja auch gemütlich “schlendern” und es sich dort gut gehen lassen.
Morgen um 11:00 geht es Richtung Basel und 15:20 sollten wir dort abheben und irgendwann auch in Rom landen wenn unsere südlichen EU-Freunde nicht gerade streiken.
Es ging schon damit los, dass Heike mich um 6:30 mit unangenehmen Nachrichten von zuhause anrief. Aber das muss hier nicht ausgebreitet werden.
Eigentlich begann der Tag sonst super. Die Nacht war erwartungsgemäß a…kalt aber die Standheizung hielt uns wohlig warm. Dafür waren Smørstabbreen und Fannaraken (siehe gestern) bei strahlend blauem Himmel von der Morgensonne perfekt in Szene gesetzt.
Nach Wäsche und Frühstück zog ich mit Pelin auf eine hier speziell markierte kurze Rundtour los. Eben diese Markierungen waren teilweise im Gegensatz zu den sonst üblichen roten T’s und den “Steinmännchen” (Steintürme) schwer auszumachen.
So geschah es, dass ich beim Suchen Pelin kurz aus den Augen ließ. Das nutzte sie, um einen toten Lemming aufzuspüren und an ihm herumzulecken. Paranoid wie ich bin und um ja keinen kranken Hund nachhause zu bringen, fuhr ich mit Pelin zum Tierarzt im nächsten Ort (44km). Der beruhigte mich. Zwar grassiere die sogenannte Hasenpest, die immer dann die Lemminge heimsucht wenn es zu viele werden. Für Hunde sei es nicht ansteckend …. aber für Menschen. Deswegen solle ich nicht aus Gebirgsbächen trinken da die Lemminge meist das Wasser aufsuchen, um zu verenden.
Wir also zurück ins Gebirge ins Leirungsdal über eine schmale mautpflichtige Stichstraße mitten ins Jotunheimen. Am Ende erwartet eine die komfortable Berghütte Leirvassbu. Diese liegt am Fuße der Kyrkja, einem markanten Berg. Obwohl er für Normalsterbliche machbar wäre, der Anblick lässt das nicht erahnen, ist er sicher nichts für Hunde. Also einen kleineren Hügel nebenan auserkohren und losgezogen. Kurz vor dessen Gipfel aber eine Geröllfeld mit grossen Felsen und vielen Spalten. Da ich heute beim Tierarzt schon einen Hund mit gebrochenem Bein gesehen hatte, wollte ich Pelin das Risiko nicht zumuten. So hat der Berg zwar gerufen aber gekriegt hat er uns nicht.
Zurück aus dem Tal und auf der Hauptstraße überholt mich ein roter Kleinwagen mit zu hoher Geschwindigkeit. Ehe ich noch darüber nachdenke was alles auf der sehr engen kurvigen Straße passieren könnte, steht die Karre hinter einer Kurve total demoliert halb im Graben.
Jetzt geht alles sehr schnell und es ist interessant was einem halbwegs vom Erste Hilfe Kurs vor über 20 Jahren einfällt. Unfallstelle absichern und Hilfe alarmieren. In der Zwischenzeit kommt noch jemand und andere beginnen den Verkehr zu regulieren. Und ich kümmere mich um die Insassen, ein junges Pärchen. Äußerlich nur ein paar Schrammen. Er ist ansprechbar und erzählt was von Überschlagen, ja so sieht der Wagen aus. Sie reagiert gar nicht, ist aber wach, blass und hat einen schnellen Puls. Scheint unter Schock zu stehen. Also habe ich beide herausgeholt. Zuerst Sie. Ich habe mal gehört, dass man Schockpatienten inzwischen nicht mehr hinlegen sondern setzen lassen sollte. Da sie stehen und gehen konnte habe ich sie zu einem Felsen gebracht und im Auto die Notfalldecke gegen Auskühlung geholt.
Dann ihr Partner. Er hat ziemlich geschrien und er deutete auf sein Bein. Wahrscheinlich gebrochen. Ich hebe ihn aus dem Auto und lege ihn stabil hin. Außerdem habe ich mit der Decke eines Passanten das Bein umpolsterst und abgestützt und den Helden der Landstraße mit der zweiten Wärmefolie zugedeckt.
Kurz darauf kamen auch Polizei und Notarzt. Scheinbar habe ich es nicht so schlecht gemacht. Ein extrem gutes Gefühl. Dann noch eine Aussage bei der Polizei und ich durfte weiterfahren, musste aber kurz darauf anhalten weil ich zu zittern begann. Wohl die Entladung der Anspannung.
Letztendlich bin ich dann noch zu einem Campingplatz, um morgen hoffentlich einen ruhigeren Tag zu starten.
Aber vielleicht ist so ein richtiger Ersthelferkurs mal wieder angebracht.
Ach ja, man mag denken, dass ich hier alleine im Busle lebe wie ein Schwein. Ich wasche mich täglich, fege den Bzs aus, räume alles immer weg und nehme regelmäßige Mahlzeiten zu mir. Ok, mein Brotkonsum ist hoch weil es fast drei mal täglich Brot gibt. Heute habe ich mir sogar Salat und Obst gekauft. Ich vermisse Manfreds Obstteller. Und ich vermisse Heikes Kreativität bei den Mahlzeiten.









Letzte Kommentare